Migration Deutschland
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Migration Deutschland: Ist Deutschland ein Einwanderungsland?

Deutschland hat sich mit dem Zuwanderungsgesetz vom 30. Juli 2004 erstmals offiziell als Einwanderungsland verfasst. Statistisch ist das längst Realität: 21,8 Mio. Menschen mit Einwanderungsgeschichte, +663.000 Netto‑Einwanderung in 2025, gleichzeitig der stärkste Rückgang bei Asylanträgen seit zehn Jahren. Diese Seite sammelt die Zahlen aus erster Hand, BAMF, Destatis, BMI, Eurostat, OECD, und beantwortet die zentrale Frage: Wer kommt eigentlich nach Deutschland, warum, und was bedeutet das?

Stand: 17. Mai 2026
Migration Deutschland in vier Zahlen
21,8 Mio
Menschen mit Einwanderungsgeschichte (Destatis Mikrozensus 2025), rund ein Viertel der Bevölkerung.
+663.000
Netto‑Einwanderung 2025 (Destatis / BAMF), mehr Zu- als Abwanderer.
113.236
Asyl‑Erstanträge 2025 (BAMF), minus 50,7 % gegenüber 2024. Tiefster Wert seit 2021.
22.787
Abschiebungen 2025 (Bundespolizei / Drs. 21/4103), +13 % gegenüber 2024.

Ist Deutschland ein Einwanderungsland?

Die Antwort ist heute eindeutig: Ja, und das in mehrfacher Hinsicht. Statistisch leben 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte hier (Destatis Mikrozensus 2025, ein Viertel der Bevölkerung), 14,1 Millionen davon ohne deutschen Pass (Ausländerzentralregister, BAMF). Rechtlich hat sich Deutschland mit dem Zuwanderungsgesetz vom 30. Juli 2004 (in Kraft seit 1. Januar 2005) erstmals als Einwanderungsland verfasst, das Gesetz war die Antwort auf die Empfehlungen der Unabhängigen Kommission „Zuwanderung“ von 2001. Aktuelle Regelwerke: Aufenthaltsgesetz (in der Fassung vom 25. Februar 2008), Fachkräfteeinwanderungsgesetz vom 15. Juni 2023, EU‑Freizügigkeitsgesetz, Blue Card EU (§ 18g AufenthG) und die Westbalkanregelung (§ 26 Abs. 2 BeschV, entfristet seit 18. November 2023).

Die Position der Bundesregierung 2026 (Bundesinnenminister Alexander Dobrindt): „Für ein sicheres Zusammenleben, eine geordnete Migration und eine stärkere Integration. Wir wollen weniger irreguläre Migration und deutlich mehr Rückführungen.“ Das Land bekennt sich also explizit zur Einwanderung, allerdings in Form regulierter, kontrollierter und arbeitsmarktbezogener Migration. Die Asylzahlen sind 2025 stark zurückgegangen, gleichzeitig sind die qualifizierten Zuwanderungswege ausgebaut worden.

Asyl‑Erstanträge: 30 Jahre im Überblick

Die Zahl der Asyl‑Erstanträge ist 2025 auf 113.236 gefallen, ein Rückgang um 50,7 % gegenüber 2024 (229.751 Erstanträge). Im historischen Vergleich liegt 2025 weit unter den Spitzenwerten der Flüchtlingskrise (2016: 722.370) und unter dem zweiten Höhepunkt 2023 (329.120). Im April 2026 wurden nur 6.144 Erstanträge gestellt, kumuliert Januar bis April 2026 28.971. Der Trend setzt sich also fort.

Quelle: BAMF „Aktuelle Zahlen zu Asyl“ (Dez. 2025) · BAMF April 2026

Top‑10 Herkunftsländer 2025

Drei Länder dominieren die Zugangsstatistik: Afghanistan, Syrien und die Türkei stellen 2025 zusammen 52 % aller Erstanträge. Im laufenden Jahr 2026 (Januar bis April) ist die Konzentration noch höher: die Top 3 machen 48,5 % der Anträge aus.

Quelle: BAMF Asylzahlen Gesamtjahr 2025

Migrationswege 2024, wer kommt warum?

Asyl ist nur ein Weg unter mehreren. 2024 zogen insgesamt 1.347.590 Ausländer nach Deutschland (Ausländerzentralregister). Die stärkste Gruppe sind EU‑Bürger im Rahmen der Freizügigkeit, gefolgt von Asyl‑Antragstellern, Familiennachzug und Erwerbsmigration. Das Bild verändert sich allerdings 2025/2026: Asyl sinkt, Erwerbsmigration nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz steigt langsam.

WegPersonen 2024Anteil
EU‑Freizügigkeit510.28137,9 %
Asylanträge (Erst)229.75117,0 %
Familiennachzug97.0557,2 %
Erwerbsmigration54.5904,1 %
Studium49.3853,7 %
Spätaussiedler4.3280,3 %
Sonstige402.20029,8 %
Gesamt1.347.590100 %
Quelle: BAMF Migrationsbericht 2024 (veröffentlicht Februar 2026)

Abschiebungen 2022–2025, Trend, Zielstaaten

Die Zahl der vollzogenen Abschiebungen ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen: von 12.945 (2022) auf 22.787 (2025), ein Plus von 76 % in drei Jahren. Davon gingen 15.254 Abschiebungen 2025 direkt ins Herkunftsland, der Rest waren Dublin‑Überstellungen innerhalb der EU. Im ersten Quartal 2026 waren es 4.807 Abschiebungen.

Quelle: Drucksache 21/4103 der Bundesregierung (Februar 2026)

Top‑15 Zielstaaten 2025

Die Türkei führt die Liste der Zielstaaten an. Spanien, Frankreich, Bulgarien und Griechenland sind überwiegend Dublin‑Überstellungen innerhalb der EU, also keine Rückführungen ins eigentliche Herkunftsland.

RangZielstaatAbschiebungen
1Türkei2.297
2Georgien1.690
3Spanien (Dublin)1.162
4Frankreich (Dublin)1.053
5Serbien875
6Bulgarien (Dublin)855
7Griechenland (Dublin)829
8Republik Moldau811
9Irak793
10Albanien790
11Marokko785
12Polen (Dublin)781
13Nordmazedonien742
14Kroatien (Dublin)659
15Algerien631

Migration nach Deutschland, 6 historische Phasen

Deutschland ist seit den 1950er Jahren Einwanderungsland, auch wenn das politisch lange geleugnet wurde. Sechs große Wellen haben die heutige Bevölkerungsstruktur geprägt.

Phase 1 · 1955–1973

Gastarbeiter

Rund 4 Millionen Anwerbungen über bilaterale Abkommen mit Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. 1973 Anwerbestopp wegen Ölkrise.

Phase 2 · 1973–1990er

Familiennachzug

Mehrere Hunderttausend Familienangehörige (v. a. aus der Türkei und Jugoslawien). Aus „Gastarbeitern“ werden Einwanderer mit Familie, Schulen, Arbeitsplätzen.

Phase 3 · 1989–2000er

Spätaussiedler

2,58 Mio. Personen aus Russland, Kasachstan und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion (1990–2024 kumuliert, BAMF). Hauptphasen 1989–2000er.

Phase 4 · 2004/2007

EU‑Osterweiterung

Polen, Rumänien, Bulgarien und andere neue EU‑Staaten führen zu starker Arbeitsmigration, Hunderttausende pro Jahr ab 2004.

Phase 5 · 2015/2016

Fluchtmigration

Rund 1,2 Millionen Asylanträge in zwei Jahren, hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan und Irak. Politisches Erdbeben, gesellschaftliche Polarisierung.

Phase 6 · 2022

Ukraine‑Krieg

Über 1,26 Mio. ukrainische Schutzsuchende im AZR (Stand März 2025, BAMF). Erstmals europaweit greift der Massenzustrom‑Schutz nach EU‑Richtlinie 2001/55/EG.

Aktuelle Debatte 2026: GEAS, Grenzkontrollen, Rückführungen

2026 ist ein Jahr des Umbruchs in der deutschen und europäischen Migrationspolitik. Drei Themen prägen die Debatte:

GEAS · Gemeinsames Europäisches Asylsystem
Inkrafttreten 12. Juni 2026

Die GEAS‑Anpassungsgesetze wurden vom Kabinett am 3. September 2025 beschlossen, vom Bundestag am 27. Februar 2026 und vom Bundesrat am 27. März 2026. Inkrafttreten weitgehend zum 12. Juni 2026. Kernpunkte: beschleunigte Verfahren an den EU‑Außengrenzen, verbindlicher Solidaritätsmechanismus zwischen Mitgliedstaaten, einheitliche Liste sicherer Herkunftsstaaten auf EU‑Ebene.

Stationäre Binnengrenzkontrollen
Seit September 2024, verlängert

Deutschland hat seit September 2024 wieder stationäre Kontrollen an allen Binnengrenzen eingeführt, eine Ausnahme vom Schengen‑Regime. Die Kontrollen wurden mehrfach verlängert, zuletzt bis September 2026. Sie sind nach BMI‑Angaben einer der Hauptgründe für den Rückgang der Asylzahlen.

Quelle: BMI
Rückführungen ausgebaut
+76 % Abschiebungen seit 2022

Von 12.945 Abschiebungen in 2022 auf 22.787 in 2025. Die Bundesregierung will den Trend fortsetzen: erweiterte sichere Herkunftsstaaten‑Liste, sicherere Rückkehrabkommen mit Marokko, Türkei und Westbalkanstaaten, schnellere Verfahren. Für 2026 sind weitere Steigerungen geplant.

Quellen & weiterführende Links

Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus Original‑Institutionen. Hier die wichtigsten Quellen zum Selbst‑Nachschauen: