Fossile Energie Deutschland 2026, was uns Erdöl, Erdgas und Kohle täglich kosten
Deutschland deckt rund 77 Prozent seines Primärenergieverbrauchs aus fossilen Quellen: Mineralöl 35,7 %, Erdgas 26,9 %, Stein- und Braunkohle je rund 7 % (AG Energiebilanzen 2025). Der überwiegende Teil davon kommt aus dem Ausland: bei Erdöl 98 Prozent, bei Erdgas 95 Prozent, bei Steinkohle 100 Prozent. Nur die Braunkohle ist heimisch. Wir zahlen für die fossilen Importe im Schnitt rund 208 Millionen Euro pro Tag ans Ausland. Diese Seite trägt zusammen, wie viel das ist, wer davon profitiert, was die Krisen der letzten Jahre zusätzlich gekostet haben, und was ein Nachbarland wie Dänemark anders macht. Mit Primärquellen, ohne Moralisierung. Wer am Ende beim Verbrenner und der Gasheizung bleiben will, soll das aus den Zahlen heraus entscheiden, nicht aus dem Bauch.
1. Was uns das fossile Festhalten täglich kostet
Die Zahlen stammen aus der jüngsten KfW-Research-Analyse vom April 2025 und aus dem Außenhandel des Statistischen Bundesamts. Sie zeigen, wie viel Geld jedes Jahr in Pipelines, Tankschiffe und Kohlefrachter fließt, und das Land wieder verlässt.
2. Der deutsche Energiemix 2025, wie viel ist fossil?
Die AG Energiebilanzen (AGEB) misst den Primärenergieverbrauch nach Energieträgern. Der Mix für 2025 zeigt: Drei von vier Energieeinheiten kommen weiterhin aus fossilen Quellen, der Erneuerbaren-Anteil wächst nur langsam.
| Energieträger | Anteil 2025 | Visualisierung | Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Mineralöl | 35,7 % | 36,5 % | |
| Erdgas | 26,9 % | 26,0 % | |
| Steinkohle | ~7 % | ~7,5 % | |
| Braunkohle | ~7 % | ~7,5 % | |
| Erneuerbare | 20,6 % | 19,8 % | |
| Sonstige (Kernkraft-Rest, Müll) | ~2,8 % | ~2,7 % |
Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB) · Energieverbrauch Deutschland 2025. Gesamtenergieverbrauch 2025: 10.553 Petajoule. Balkenbreite proportional zum Anteil.
Fossile Energieträger zusammen: ~77 Prozent des Primärenergieverbrauchs. Davon ist nur die Braunkohle weitgehend heimisch, alles andere wird importiert. Erneuerbare wachsen langsam aber stetig (plus 0,8 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr), Mineralöl verliert leicht (minus 0,8). Bei diesem Tempo dauert die vollständige Ablösung von Öl und Gas noch Jahrzehnte.
Wichtige Unterscheidung, Primärenergie vs. Strom: Die Zahlen oben beschreiben den gesamten Energieverbrauch (Verkehr + Wärme + Industrie + Strom). Beim reinen Strom sieht es deutlich grüner aus: Erneuerbare lagen 2025 bei 58,8 Prozent des Strommix (Fraunhofer ISE / BNetzA). Die fossile Dominanz steckt vor allem in den Sektoren Wärme (Heizöl + Erdgas, rund die Hälfte der Wohnungen) und Verkehr (Diesel + Benzin + Kerosin). Genau dort liegen die hartnäckigsten Importkosten.
3. Erdöl, der dickste Brocken
Erdöl ist mit 35,7 Prozent der größte fossile Posten im deutschen Energieverbrauch, vor allem in Verkehr (Diesel, Benzin, Kerosin) und beim Heizen (Heizöl). 2024 importierte Deutschland rund 79 Millionen Tonnen Rohöl im Wert von 51 Milliarden Euro. Das sind rund 140 Millionen Euro pro Tag, allein für diesen einen Energieträger.
Top-Lieferanten Rohöl 2024
| Rang | Lieferland | Anteil | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 1 | Norwegen 🇳🇴 | ~30 % | Nordsee-Förderung, stabil und EU-nah |
| 2 | USA 🇺🇸 | ~19 % | Stark gewachsen seit Russland-Embargo |
| 3 | Niederlande 🇳🇱 | ~17 % | Weiterverteilung aus dem Hafen Rotterdam |
| 4 | Kasachstan 🇰🇿 | ~8 % | Über Druschba-Pipeline nach Schwedt |
| 5 | Libyen, Großbritannien u. a. | Rest | Diversifizierung seit 2022 deutlich erhöht |
Quelle: KfW Research / Destatis Außenhandel 2024. Russland-Anteil 2021: 35 Prozent, 2024: 0,1 Prozent.
- Vorhandene Infrastruktur: Zwölf Raffinerien, 14.000 Tankstellen, Heizölkessel in vielen Häusern, Ersatz braucht Jahrzehnte.
- Hohe Energiedichte: Diesel und Kerosin sind beim Schwer- und Luftverkehr aktuell ohne praktikable Alternative.
- Chemie-Grundstoff: Petrochemie (Kunststoffe, Düngemittel, Medikamente) braucht Erdöl als Rohstoff, nicht als Brennstoff.
- Diversifizierte Lieferanten: Nach Russland-Aus steht keine Einzelmacht hinter mehr als 30 Prozent der Lieferungen.
- 51 Mrd. € pro Jahr fließen ab, das Geld stützt fremde Volkswirtschaften, nicht die heimische Wertschöpfung.
- Preisschocks treffen sofort: Iran-Konflikt 2026, Kraftstoffpreise plus 20 Prozent in wenigen Wochen (Destatis, März).
- 98 Prozent Importabhängigkeit bedeutet vollständige Abhängigkeit von geopolitischen Entscheidungen anderer.
- CO₂-intensiv: Verkehrssektor verfehlt die Klimaziele am deutlichsten, Hauptursache Verbrenner.
4. Erdgas, die einstige „Brücke", die nicht enden will
Erdgas deckt 26,9 Prozent des deutschen Energieverbrauchs, vor allem für Heizung (rund die Hälfte der Wohnungen), Industrieprozesse (Stahl, Glas, Chemie) und einen Teil der Stromerzeugung. 2024 wurden dafür 19 Milliarden Euro ans Ausland gezahlt. 2025 importierte Deutschland insgesamt 1.031 Terawattstunden, die Lieferantenstruktur ist heute eine völlig andere als noch vor vier Jahren.
Top-Lieferanten Erdgas 2025
| Rang | Lieferland | Anteil 2025 | Anteil 2024 | Trend |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Norwegen 🇳🇴 | 44 % | 48 % | ↓ leicht |
| 2 | Niederlande 🇳🇱 | 24 % | 25 % | → stabil |
| 3 | Belgien 🇧🇪 | 21 % | 18 % | ↑ wachsend |
| 4 | LNG-Terminals (USA, Katar u. a.) | 10,3 % | 8 % | ↑ wachsend |
Quelle: Bundesnetzagentur · Gasrückblick 2025, 09. Januar 2026. Russland-Anteil 2021: rund 55 Prozent, 2025: 0 Prozent.
- Brückentechnologie: Erdgaskraftwerke können schnell hoch- und runterfahren, wichtig als Backup für Wind/Solar.
- Industrie-Grundstoff: Stahl, Glas, Keramik, Chemie brauchen Prozesswärme, die heute kaum anders erzeugt werden kann.
- Bestehende Heizungen: Rund die Hälfte der deutschen Wohnungen heizt mit Gas, Austausch wäre eine Generation Arbeit.
- Geringere CO₂-Emissionen als Kohle oder Öl pro Kilowattstunde.
- 95 Prozent Importabhängigkeit, die „Brücke" hält schon seit 30 Jahren und wird tendenziell länger statt kürzer.
- Volatile Weltmarktpreise: TTF-Spitze 2022 bei über 300 €/MWh, 2026 wieder über 60. Verbraucher zahlen jede Bewegung mit.
- Methan-Leckagen: Beim LNG-Transport gehen 1–3 Prozent als Methan in die Atmosphäre, Methan ist klimaschädlicher als CO₂.
- LNG aus USA ist teuer: Schiffstransport plus Verflüssigung verdoppelt den Preis gegenüber Pipeline-Gas.
5. Steinkohle, vollständig importiert
Steinkohle macht nur noch rund 7 Prozent des Energiemix aus, ist aber zu 100 Prozent importiert, seit der Stilllegung der letzten deutschen Zeche 2018. Wert der Einfuhren 2024: 5 Milliarden Euro. Die Hauptverwendung: Stromerzeugung (vor allem Spitzenlast und Reserve) und Stahlindustrie (Koks). Mit dem geplanten Kohleausstieg bis 2038 (NRW bis 2030) sinkt der Bedarf weiter.
- Reserve-Funktion: Kohlekraftwerke können bei Dunkelflauten (kein Wind, keine Sonne) einspringen.
- Lagerbar: Anders als Gas kann Kohle Monate vorgehalten werden, wichtig für Versorgungssicherheit.
- Stahlindustrie: Hochöfen brauchen Koks. Wasserstoff-basierte Direktreduktion ist erst im Aufbau.
- Politisch eingepreist: Ausstieg bis 2038 bereits beschlossen, kein neuer politischer Konflikt nötig.
- Höchste CO₂-Intensität aller fossilen Träger, pro Kilowattstunde Strom doppelt so viel CO₂ wie Erdgas.
- 5 Mrd. € pro Jahr für einen sterbenden Markt, das Geld fehlt für den Aufbau von Speichern und Reserven.
- Importrisiko Kolumbien: Politische Lage instabil, Frachtwege lang.
- Stahl-Alternative entsteht: Salzgitter, ThyssenKrupp, Arcelor investieren in wasserstoffbasierte Reduktion.
5b. Braunkohle, die heimische Ausnahme
Braunkohle macht mit rund 7 Prozent des Primärenergieverbrauchs einen ähnlich großen Anteil wie Steinkohle aus, taucht aber bewusst nicht in der Importrechnung auf: Sie wird vollständig in Deutschland gefördert, in der Lausitz (Brandenburg/Sachsen), im Rheinischen Revier (NRW) und im Mitteldeutschen Revier (Sachsen-Anhalt/Sachsen). Damit ist sie der einzige fossile Energieträger ohne Auslandsabhängigkeit. Für die Bilanz dieser Seite ist sie deshalb nicht Teil der 76 Mrd. €-Rechnung, sie verdient aber einen kurzen Eintrag, weil sie aus anderen Gründen umstritten ist.
Braunkohle ist gleichzeitig Trumpf und Bürde. Trumpf, weil sie als einziger fossiler Energieträger keine Devisen ans Ausland abfließen lässt, eine Megawattstunde Braunkohle-Strom kostet im Förderbetrieb deutlich weniger als importiertes Erdgas. Bürde, weil sie die mit Abstand höchste CO₂-Intensität aller Energieträger hat und damit das EU-Emissionshandelssystem (ETS) zunehmend teuer macht. Mit jedem Anstieg des CO₂-Preises kippt die Rechnung weiter Richtung Erdgas und Erneuerbare. Strukturpolitisch betroffen sind vier Reviere, in denen über 20.000 direkte Jobs am Tagebau hängen, plus die Zulieferketten. Der Strukturwandel ist eines der politisch heikelsten Themen der nächsten zehn Jahre.
6. Zehn Jahre Importrechnung, was die Krisen sichtbar machen
Die Importrechnung schwankt stark mit den Weltmarktpreisen. Im Mittel der letzten zehn Jahre lag sie laut KfW bei rund 81 Milliarden Euro pro Jahr, kumuliert also rund 810 Milliarden Euro in einer Dekade. Zwei Krisenjahre stechen besonders heraus.
Verlauf der fossilen Importrechnung 2015–2024 (in Mrd. €)
| Jahr | Mrd. € | Visualisierung | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 2015 | ~80 | Normaljahr | |
| 2016–2020 | 65–80 | Niedrige Preise, Corona 2020 | |
| 2021 | ~90 | Erholung nach Corona | |
| 2022 | 131 | Ukraine-Schock | |
| 2023 | ~95 | Preise sinken wieder | |
| 2024 | 76 | Neue Lieferantenstruktur | |
| Summe 2015–2024 | ~810 Mrd. € | Knapp eine Billion Euro flossen in zehn Jahren ans Ausland | |
Quellen: KfW Research · Destatis Außenhandel. 2022 Spitzenwert offiziell für Öl + Gas zusammen 131,1 Mrd. € (Destatis), zuzüglich Kohle.
7. Was die geopolitischen Krisen Deutschland kosten
Fossile Energie macht Deutschland verwundbar, die letzten vier Jahre zeigen das mit zwei Lehrstunden.
- Importrechnung 131 Mrd. €, fast doppelt so viel wie 2021 (plus 79 Prozent).
- TTF-Gaspreis-Spitze über 300 €/MWh, zehnfacher Normalpreis.
- Außenhandelsüberschuss halbiert (von 175 auf 80 Mrd. €).
- Gaspreisbremse, Strompreisbremse, Heizkostenzuschuss: rund 200 Mrd. € Doppelwumms aus dem Bundeshaushalt.
- Bau der ersten vier LNG-Terminals in Rekordzeit (acht Monate).
- Kraftstoffe an Tankstellen plus 20 Prozent (März, Destatis).
- Leichtes Heizöl plus 44,4 Prozent gegenüber Vorjahr.
- Energiepreise insgesamt plus 10,1 Prozent, stärkster Anstieg seit Februar 2023.
- Verbraucherpreisindex April: 2,9 Prozent (zweiter Monat in Folge gestiegen).
- ifo-Geschäftsklima auf 84,4, niedrigster Wert seit Mai 2020.
Alle vier Jahre etwa ein größerer geopolitischer Schock im fossilen System, 2014 Krim, 2018/19 US-Iran-Spannungen, 2022 Ukraine, 2026 Iran. Jeder einzelne kostet zweistellige Milliardenbeträge zusätzlich. Bei weiter steigender Importabhängigkeit summiert sich das. Die einzige Versicherung dagegen ist weniger Bedarf, entweder durch Effizienz oder durch Substitution. Beides liegt in deutscher Hand.
8. Was Dänemark anders macht, und der Urlauber sieht es jedes Jahr
Wer in Hvide Sande, Skagen oder auf Bornholm Urlaub macht, sieht es schon vom Strand aus: Offshore-Windparks am Horizont, Fernwärmerohre statt Schornsteine, Ladepunkte an jedem dritten Parkplatz. Dänemark hat in den letzten zwanzig Jahren die fossile Importrechnung systematisch heruntergefahren. Die harten Zahlen aus Eurostat, Energinet und der Internationalen Energieagentur (IEA):
| Kennzahl Stand 2025/Frühjahr 2026 | Deutschland 🇩🇪 | Dänemark 🇩🇰 | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Fossiler Anteil am Primärenergieverbrauch | ~77 % | ~49 % | DK 28 Punkte weniger fossil |
| Energie-Importabhängigkeit | 67 % | ~44 % | DK deutlich unabhängiger |
| Erneuerbare am Strommix | 58,8 % (2025) | über 92 % (2025) | DK ~34 Punkte voraus |
| Erneuerbare am Endenergieverbrauch | 22,5 % | 46,5–46,8 % | DK gut doppelt so hoch |
| Fossile Importrechnung pro Jahr | ~76 Mrd. € | ~8 Mrd. € | DK Faktor ~10 niedriger |
| Fernwärme im Wohnbestand | ~14 % der Haushalte | ~66 % der Haushalte | DK Faktor ~5 |
| Elektroautos im Pkw-Bestand | 4,1 % (Januar 2026, KBA) | ~20 % (März 2026) | DK Faktor ~5 |
| Elektroauto-Anteil bei Neuzulassungen | ~17 % (2025) · 22,8 % (Q1 2026) | 68,5 % (2025) · über 80 % (Q1 2026) | DK fast viermal so hoch |
| Strom-Handel mit Nachbarn | Nettoimporteur 2023/24 | Netto-Exporteur, oft nach DE | Rollen vertauscht |
| Verbrenner-Auslauf Neuwagen | 2035 (technologieoffen) | 2030 | 5 Jahre Vorsprung |
Quellen: Eurostat · Energistyrelsen DK · Energinet · Statistics Denmark · KBA (DE Pkw-Bestand) · IEA · Bundesnetzagentur. Stand 2025/Frühjahr 2026.
Dänische E-Auto-Politik im Kurzformat: Dänemark verzichtet auf direkte Kaufprämien und setzt stattdessen auf Steuerentlastung. Reine Elektroautos zahlen bis 2026 nur 40 Prozent der dänischen Zulassungssteuer (Verbrenner: bis zu 180 Prozent), plus festen Steuerabzug von rund 21.700 Euro. Ergebnis: Bei Privatkäufern liegt der BEV-Anteil 2026 zeitweise über 94 Prozent. Keine Subvention, sondern saubere Preissignal-Politik.
Dänemark hat etwa ein Sechzehntel der deutschen Einwohnerzahl und ein Vierundzwanzigstel der Wirtschaftsleistung, und trotzdem nur ein Zehntel der deutschen fossilen Importrechnung. Wer im Sommer in Hvide Sande Brötchen kauft, zahlt mit Krone für überwiegend fossilfrei produzierten Strom. Wer im Winter in Düsseldorf duscht, mit zu rund 60 Prozent norwegischem Gas. Das Geld nimmt unterschiedliche Wege. In Dänemark bleibt es im Land, in Form von Windradtechnik, Fernwärmenetzen, Wartungsjobs. In Deutschland geht es zur Equinor in Stavanger und zu Chevron in Houston. Der Hauptunterschied liegt nicht in der Geographie (auch Deutschland hat eine Nordseeküste), sondern im politischen Konsens, der in Dänemark seit den 80er-Jahren parteiübergreifend trägt.
Fünf Hebel, die Dänemark anders gezogen hat, und Deutschland kopieren könnte
Der wichtigste Unterschied liegt in der Wärme. Fernwärme deckt in Dänemark 63 bis 70 Prozent der Haushalte ab (in Kopenhagen bis 98 Prozent), in Deutschland nur 14 bis 16 Prozent. Und die dänische Fernwärme ist zu 75 Prozent erneuerbar (Biomasse, Abwärme, Solarthermie, Großwärmepumpen), die deutsche überwiegend noch gas- und kohlebasiert. Fünf Hebel hat Dänemark gezogen, die übertragbar sind:
| # | Hebel | Dänemark | Was Deutschland davon nehmen kann |
|---|---|---|---|
| 1 | Kommunale Wärmeplanung als Pflicht | Seit 1979 gesetzlich verpflichtend, sozioökonomisch begründet, ergebnisverbindlich | Die deutsche Wärmeplanungspflicht (2024) konsequenter umsetzen, mit Geld und Fachkräften für die Kommunen |
| 2 | Bürgerhand statt Konzern | Viele Netze als gemeinnützige Genossenschaften, kein Gewinnmaximierungs-Druck | Bürger- und Genossenschaftsmodelle in der Fernwärme stärker fördern, erhöht Akzeptanz und drückt Preise |
| 3 | 4. Generation Fernwärme + Power-to-Heat | Niedrige Vorlauftemperaturen 20–95 °C, Großwärmepumpen mit Seewasser (Esbjerg 70 MW), 2025 schon 97 % neu installierte Wärme strombasiert | Windstrom-Überschuss in Wärme speichern statt abregeln. 4GDH bringt weniger Netzverluste und passt zu gut gedämmten Häusern |
| 4 | Abwärme + Biomasse systematisch nutzen | Industrielle Abwärme, Müllverbrennung, Biomasse seit Jahrzehnten integriert. Ziel: bis 2035 keine Gasheizungen mehr | Abwärme aus Industrie und Rechenzentren systematischer in Fernwärmenetze einbinden, riesiges ungenutztes Potenzial |
| 5 | Preisstabilität durch Regulierung | Preise decken nur die Kosten, keine hohen Gewinne. Oft günstiger als fossile Alternativen | Stärkere Preisregulierung und Transparenz bei Fernwärme baut Misstrauen gegen den Umstieg ab |
Quellen: Energistyrelsen DK · Heat · Danish District Heating Association · RAP · „Making Europe's homes Hygge", Januar 2025.
Die nächste Stufe, grüner Wasserstoff als dänisches Exportgut
Während im dänischen Strom-Mix fossile Energien bereits fast verschwunden sind (Anteil unter zehn Prozent), zielt Dänemark mit grünem Wasserstoff auf den verbleibenden fossilen Rest in Industrie und Verkehr, und auf einen strategischen Exportmarkt nach Deutschland. Die Power-to-X-Strategie aus dem Dezember 2021 ist die Grundlage, die jüngsten Zahlen vom Frühjahr 2026 zeigen die Beschleunigung.
| Kennzahl | Status Mai 2026 | Ziel 2030 |
|---|---|---|
| Elektrolyse-Kapazität DK | 119 MW (39 aktive Projekte) | 4–6 GW |
| Wasserstoff-Pipeline DK → DE | Baustart Mitte 2028, 133 km (Esbjerg → Frøslev) | 3 GW Exportkapazität, Inbetriebnahme 2030 |
| Gemeinsame Investition DK + DE | Vereinbart Anfang 2026 | über 3 Mrd. Euro |
| Speicherkapazität Salzkavernen (Nordjütland) | In Planung (Green Hydrogen Hub) | 400 GWh |
Quellen: Energistyrelsen DK · Hydrogen · Dänisches Ministry of Climate, Energy and Utilities · BMWK-Förderbescheid Januar 2026. Deutscher Bundesförderanteil: 1,3 Mrd. Euro für H₂-Import aus Dänemark.
Deutschland importiert ab 2030 grünen Wasserstoff aus Dänemark, der dort aus überschüssigem Offshore-Windstrom hergestellt wird, und mit dieser Lieferung soll ein Teil der heutigen 19 Mrd. Euro-Erdgasrechnung in der Industrie ersetzt werden. Die Logik ist dieselbe wie bei Erdgas (Pipeline-Import aus dem Norden), nur klimaneutral und mit politisch verlässlichem Partner. Kritiker aus Schleswig-Holstein verweisen darauf, dass die Bundesförderung deutsche H₂-Projekte (etwa in Brunsbüttel) benachteiligt, der Trade-off zwischen schnellem Import und heimischer Wertschöpfung wird in den nächsten Jahren politisch verhandelt werden müssen.
9. Die Gegenrechnung, Energiewende vs. fossile Importe
Das stärkste Argument der Skeptiker lautet: „Die Energiewende ist zu teuer." Studien von Aurora Energy Research, dem Öko-Institut, dem Fraunhofer ISE und der KfW rechnen seit Jahren gegen: Was die Energiewende kostet, und was wir gleichzeitig an Importrechnung sparen.
| Zeitraum | Kosten Energiewende | Vermiedene Importrechnung | Netto |
|---|---|---|---|
| Jährlich (aktuell) | 80–100 Mrd. € (Netze + EE-Ausbau + EEG) | ~80 Mrd. € durch wachsenden EE-Anteil | Geld bleibt im Land |
| Bis 2045 (Aurora) | 3,44 Bio. € Systemkosten gesamt | Stark sinkender fossiler Bedarf | Einsparpotenzial bis 700 Mrd. € |
| Bis 2049 (DIHK/Frontier) | 4,8–5,4 Bio. € (Netze + Erzeugung) | Restimporte 2,0–2,3 Bio. € | Gleich oder günstiger als „weiter so" |
Quellen: Aurora Energy Research, DIHK / Frontier Economics, Öko-Institut, Fraunhofer ISE. Konsens der Studien: Energiewende kostet vorne viel, spart hinten mehr, vor allem weil die heimische Wertschöpfung steigt und Preisschocks entfallen.
Die Rechnung „Energiewende ist zu teuer" funktioniert nur, wenn man die Importrechnung von 76 Milliarden Euro pro Jahr ignoriert. Wer beides nebeneinander legt, sieht: Die Größenordnungen sind ähnlich. Der entscheidende Unterschied ist nicht die Höhe, sondern wohin das Geld fließt. Fossile Importe stützen norwegische Pensionsfonds, amerikanische Schieferöl-Investoren und kasachische Staatskassen. Energiewende-Investitionen stützen Anlagenbauer, Handwerksbetriebe, Stromnetz-Wartung und Forschungseinrichtungen im eigenen Land.
10. Ihr persönlicher Anteil, kurze Rechnung in 30 Sekunden
Die Durchschnittszahl von 910 Euro pro Einwohner ist eine Mittelwertrechnung. Wer in einer großen Altbau-Wohnung mit Erdgas heizt und 20.000 Kilometer Diesel fährt, zahlt deutlich mehr. Wer im Passivhaus mit Wärmepumpe wohnt und ein E-Auto fährt, deutlich weniger. Der Rechner unten zeigt eine grobe Schätzung des persönlichen Anteils an der fossilen Importrechnung, und welche Hebel am stärksten wirken.
Eingaben
11. Die offene Frage
Diese Seite trägt die Zahlen zusammen, die in der öffentlichen Debatte oft fehlen. Sie ersetzt keine politische Entscheidung. Was sie kann: aus dem „zu teuer" der Skeptiker und dem „alternativlos" der Befürworter eine gemeinsame Datenbasis machen. Wer am Ende eine eigene Schlussfolgerung zieht, soll wissen, womit gerechnet wurde.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- KfW Research · One-Pager Nr. 251, April 2025, fossile Importrechnung Deutschlands
- AG Energiebilanzen (AGEB) · Energieverbrauch Deutschland 2025, Anteile am Primärenergiemix
- Bundesnetzagentur · Jahresrückblick Gasversorgung 2025 (Pressemitteilung 09. Januar 2026)
- BAFA · Amtliche Rohöl-Statistik (Jahresübersichten nach Ursprungsländern)
- Statistisches Bundesamt (Destatis) · Einfuhr von Steinkohle 2019–2025
- Destatis · Verbraucherpreisindex April 2026 (Pressemitteilung 12. Mai 2026)
- Destatis · Energiepreise wie in früheren Krisen (Pressemitteilung 7. Mai 2026)
- Deutsche Rohstoffagentur (DERA) · Commodity Top News & Energierohstoffimporte
- Energistyrelsen Dänemark · Jahres- und Monatsstatistiken
- Energinet Dänemark · Erneuerbare im dänischen Energiesystem
- Eurostat · Energiestatistiken EU (Importabhängigkeit, RES-Anteile)
- Internationale Energieagentur (IEA) · Country Profiles Deutschland und Dänemark
- Öko-Institut · Kosten der Energieimporte nach Deutschland und Europa
- Deutsche Bundesbank · Außenhandelsstatistik
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